Der Staffelberg bei Staffelstein - das Refugium der Zwerge









Die Sammlung der Sagen zum Staffelberg ist noch nicht ganz abgeschlossen. Dieser Berg ist jedenfalls hochinteressant, seit über 7000 Jahren bewohnt, von den Kelten zur Festung ausgebaut - auf dem unteren Plateau lag dereinst die große keltische Stadt Menosgada. Auf der Spitze steht eine Kapelle, die der heiligen Adelgunde geweiht ist (gest. 684) mit zwei wertvollen Reliquien. Die Kapelle geht bis in karolingische Zeit zurück, wahrscheinlich sogar auf ein vorchristliches Heiligtum. Im Mittelalter war der Berg eine wichtige Pilgerstätte, seit der Errichtung von Vierzehnheiligen ging das Wallfahrtswesen hier aber immer mehr zurück.
Der Berg ist außerdem von zahllosen Höhlen durchzogen, die die Phantasie, was im inneren des Berges vor sich gehen mag, natürlich inspiriert. So gilt der Berg als von Zwergen bewohnt.






Die Querkeln im Staffelberg

In der Querkeshöhle des Staffelberges wohnten einst kleine Wesen, Querkele (="Zwergele") oder auch "die Unterirdischen" geheißen. Sie waren hilfsbereit und freundlich zu den Menschen. Mit manchen standen sie in engem Kontakt und verrieten ihnen manch heilsame Kräutlein gegen allerlei Krankheiten.
Am liebsten kamen die Querkel an den Tagen in die Dörfer, an denen die Bäuerinnen Klöße kochten. Denn die rohen Kartoffelklöße, die heute noch ein fränkisches Nationalgericht sind, waren das Leibgericht der kleinen Wichte. Weil sie die Klöße gar zu gern aßen und nicht genug davon kriegen konnten, stahlen sie sich manchmal welche aus dem Kochtöpfen. Die Frauen wußten dies und duldeten es stillschweigend, hatten sie doch auch manchen Vorteil von den Querkeln.
Eine geizige Bauersfrau aber beobachtete einmal, wie ein Querklein auf einem Stuhl stehend einen Kloß aus der Schüssel langen und in seinen Zwergensack stecken wollte. Sie gönnte den Querkeln die stibitzten Klöße nicht und so zählte sie sie haargenau ab, ehe sie sie das nächste Mal in den Topf legte. Die Querkele merkten dies und blieben den menschlichen Wohnungen von da an fern.
Eines Tages hörte man ein Wehklagen vom Staffelberg her, und in der gleichen Nacht zogen viele gute Zwerge vom Staffelberg fort. Sie verließen mit Sack und Pack ihren Berg und zogen hin zum Maintal. Als sie bei Hausen das Mainufer erreichten, riefen sie mit ihren dünnen Stimmchen dauernd zum Fährmann hinüber: "Hol über!" Endlich wachte der alte Fährmann auf und lenkte sein Fahrzeug hinüber auf die vielen hundert Lichtlein zu. Seitdem brauchen die Frauen ihre Klöße nicht mehr zu zählen, sie hatten ihre besten Helfer verloren. Sie zogen den Banzberg hinauf und wurden nie mehr gesehen.

Der Schatz im Innern des Berges

Tief im Innern des Staffelberges ist in einer unzugänglichen Höhle ein großer Schatz verborgen. Alle hundert Jahre öffnet sich zu mitternächtlicher Stunde an Johanni der Berg und gibt für eine Stunde den Weg zu den unterirdischen Räumen frei. Doch nur Sonntagskindern ist es möglich, das Berginnere zu schauen.
Einmal wurde in einer solchen Nacht ein junger Schäfer durch ein donnerndes Dröhnen aufgeschreckt. Da er an einem Sonntag geboren war, konnt er den geöffneten Berg betreten. Angezogen und geblendet von den unermeßlichen Reichtümern, die er vorfand, wurde er immer tiefer in den Berg gelockt. Ehe er sich seine Taschen voll Gold und Edelsteine stopfen konnte, war die kurze Frist von einer Stunde verstrichen. Mit einem Dröhnen schloß sich der Berg wieder und versperrte dem Schäfer den Weg ins Freie. Hundert Jahre lang mußte er warten, bis sich der Berg wieder öffnete. Als alter Mann verließ er diese Stätte, seine Taschen waren leer, er brauchte keine Reichtümer mehr.


Die Erscheinung der Heiligen Adelgunde

Im Dreißigjährigen Krieg war die Kapelle zerstört worden. Später postierte man Bauern auf dem Plateau, um dieses gegen die Schweden zu schützen. In der Kirchenruine kamen die Bauern auf die Idee, Schießübungen zu veranstalten. Einer von ihnen markierte mit der Lanze den Punkt an der Wand, auf den sie schießen müßten. Doch bevor sie das frevlerische Werk tun konnten, trat eine Klosterfrau durch das noch stehende Portal und drohte mit dem Finger. Langsam durchschritt die Nonne das Kirchenschiff und tauchte durch die Kapellenwand und war verschwunden. Es mußte die Heilige Adelgunde selbst gewesen sein, die die Bauern gewarnt hatte, sich nicht zu versündigen. Aufgrund dieser Erscheinung wurde auch die Kirche bald wieder aufgebaut.



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