Die sagenumwobene Burg Neideck





Neideck



Die Burg Neideck ist - trotz ihres Bekanntheitsgrades - eine der schönsten Ruinen in ganz Franken. Man muß sie einfach zur richtigen Zeit besuchen, zum Beispiel nachts. Es gibt sowohl eine Feuerstelle (legal?), ein Dixieklo und viel Platz zum Zelten.
Neideck war dereinst eine der größten Burganlagen in Deutschland. Sie wurde 1219 gegründet, allerdings war der Felsen bereits in der Vorgeschichte besiedelt und befestigt.



Die Zeit der Riesen

Einst herrschten Riesen über die Burg Neideck wie über die Burg Streitberg auf der gegenüberliegenden Seite der Wiesent. Diese unterdrückten die Menschen sehr. Wegen ihrer Größe konnten die Menschen nichts ausrichten, außerdem waren die Herren der beiden Burgen miteinander verbündet. In ihrer Verzweiflung riefen die Menschen die Geister der Berge um Hilfe an. In einer Mondnacht versammelten sich die Geister, um Rat zu halten. Sie wollten den Menschen helfen. Es war auch der weise Geist des Urquells anwesend. Der ließ Quellwasser über grünes Moos fließen und sprach dazu eine Zauberformel. Sogleich verwandelten sich die Wassertropfen in wunderschöne Perlen.
Am nächsten Abend verkleideten sich die Geister als Menschen und zogen mit einem Wagen, auf dem die Kiste Perlen stand, durchs Wiesenttal. Die Riesen auf den Burgen sahen den Zug, stürmten sofort ins Tal hinunter und raubten die Perlen. Sie teilten auch redlich, doch dann kamen sie doch in Streit: Die Perlen waren nämlich in den beiden Burgen, weil sie zum Reich der Finsternis gehörten, unsichtbar. Die Herren der Burgen aber bezichtigten sich gegenseitig des Betrugs. So kämpften die Riesen gegeneinander bis zur vollständigen Vernichtung. Die Menschen aber konnten aufatmen, fortan gab es keine Riesen mehr, jedenfalls nicht in der Fränkischen Schweiz. In die Burgen zogen nun Menschen ein.



Neideck



Der Schuß in den Allerwertesten

Auch die menschlichen Herren der beiden Burgen lagen miteinander im Streit. Nun gab es auf der Burg Neideck eine etwas delikate Baukuriosität. Das Klo ging etwas über den Felsen hinaus, so daß das Geschäft jederzeit durch das Loch gleich die Felswand hinunterfallen konnte. Das war an sich nicht weiter schlimm, außer, daß es in Winterszeiten etwas kühl von unten kam.
Doch der Herr von Streitberg wollte diese Verhältnisse zu seinen Gunsten ausnützen. Er dingte einen untreuen Knecht auf der feindlichen Burg, eine Fahne zu schwenken, wenn sein Herr auf dem Klo säße, damit es keine Verwechslungen gäbe. Der Verräter tat das ihm Aufgetragene. Nun setzte der Herr von Streitberg - der als ausgezeichneter Schütze galt - zum Schuß über das weite Tal hinweg an, und er traf den Herrn von Neideck direkt in den... Seitdem gilt das Geschlecht derer von Neideck als ausgestorben.


Das Burgfräulein von Neideck

Vor vielen Jahrhunderten lebte auf der Burg Neideck der reiche Graf mit seiner Tochter. Er liebte seine Tochter über alles, seit seine Gemahlin verstoben war. Deshalb ließ er auch alle Bewerber um die Hand seiner Tochter barsch von der Burg weisen, und kein Flehen konnte sein Herz erweichen.
Doch die Liebe drang auch durch verschlossene Tore zu dem Burgfräulein auf Neideck. Ein junger Ritter warb um ihre Gunst und sprach mit ihr von außen durch das vergitterte Burgfenster, wenn der Graf und seine Gefolgschaft auf der Jagd waren.
Eines Tages war der Graf wieder für ein paar Tage auf fröhlichem Waidwerk, bei Gößweinstein. Der junge Ritter beschloß, das Burgfräulein zu entführen. Trotz übergroßer Freude zögerte das Burgfräulein dann allerdings wieder, als der entscheidende Tag gekommen war. Sie fürchtete um ihre Ehre. Der Ritter schlug vor, der Burgkaplan möge ihnen beiden schnell die kirchliche Weihe erteilen. Doch der Kaplan weigerte sich entsetzt, einem solchen Frevel zuzustimmen. Aber dann zwang ihn der junge Ritter mit dem Schwert in der Hand, dem Paar zum Traualtar zu folgen und ihnen den Segen zu geben. In nebelgrauer Nacht floh dann das junge Paar von der Burg und sollte nie mehr wiederkehren.
Als der alte Graf zurückkam, brach für ihn eine Welt zusammen. Er fluchte dem Ritter, er fluchte seiner Tochter, er fluchte dem Kaplan und der ganzen Welt. Den Kaplan aber ließ er in den Kerker werfen, und kein Bitten und kein Flehen und keine Erklärung konnte ihn von seinem Entschluß abbringen.
Nach vielen Jahren wurde die Burg von Feinden erobert, erstürmt und geplündert. Im Verlies fand man einen verblödeten, zum Gerippe abgezehrten Greis. Nach seiner Freilassung starb der Kaplan wenige Monate später im Dominikanerkloster zu Muggendorf. Von dem jungen Paar aber hatte der gestrenge Vater nie wieder eine Kunde erhalten.



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