Nankendorf mit seinen zahllosen Geistern und Hexen









Für kaum einen Ort in Franken sind so viele Sagen überliefert wie für Nankendorf. Doch ist es kaum wahrscheinlich, daß die Leute dort früher abergläubischer waren als anderswo. Der Grund dürfte eher darin zu suchen sein, daß in den sechziger Jahren eine ehemalige Dorfschullehrerin namens Gunda Rauh sich daran gemacht hat, alle Sagen und Erzählungen ihres Heimatortes akribisch zu sammeln. Auf der Homepage von H.Loewisch und M. Neubauer ist eine noch ausführlichere Darstellung der Sagen zu finden. (Der Autor bedankt sich an dieser Stelle herzlich für den von Herrn Löwisch freundlicherweise zur Verfügung gestellten Bildausschnitt einer Postkarte um die Jahrhundertwende.)
Auch auf meiner Seite wird auf das Werk von Gunda Rauh zurückgegriffen. Bei Gelegenheit werde ich noch eine Karte von Nankendorf auf die Seite stellen, damit die spukhaften Orte leichter zu finden sind. Erstaunlich fand ich insbesondere die Erkenntnis von Frau Rauh, daß Orte, an denen es umgehen soll, sehr oft an sogenannten "Altstraßen" zu finden sind (also Straßen, die früher bedeutend waren, aber schon seit Jahrhunderten auf den Status von Feldwegen zurückgefallen sind). Dies spricht für ein sehr hohes Alter vieler Sagen, die manchmal bis auf die Karolingerzeit zurückzugehen scheinen. Außerdem soll es häufig an Flur- und Gemeindegrenzen "nicht richtig" sein. (Letzteres ist übrigens ein verhüllender Ausdruck für Spuk, die Menschen hatten Angst, den Schrecken beim Namen zu nennen. Dieses Phänomen findet sich in der Sprachgeschichte häufig.)

Die spukhafte Neunerheid

Die Flur um die sog. Neunerheid liegt westlich von Nankendorf auf dem Weg nach Breitenlesau. Dort oben stand bis zum Dreißigjährigen Krieg ein Einödhof. Noch bis ins 20. Jahrhundert konnte man dort Mauerreste und einen Brunnenschacht vorfinden. Weil der Hof so einsam stand, fühlten sich die Menschen dort ganz besonders übernatürlichen Mächten ausgeliefert.

Das Wütende Heer auf der Neunerheid

Das Wütende Heer soll sich dort oben austoben und über das Land jagen (es wird übrigens mit Gott Wotan - "wütend, wüthin.." in Verbindungen gebracht). Wenn man ihm begegnet, muß man sich ganz flach, mit dem Gesicht nach unten auf den Boden werfen, sonst ist man ein Jahr lang krank. Stand ein Pflug etwa in einer Nacht des Wütenden Heeres im Freien, so fand man am nächsten Morgen entweder nur noch demolierte Teile, oder der Pflug hing in den Kronen der höchsten Bäume für niemanden erreichbar.
Nur einmal brachte das Wütende Heer einem Menschen Segen. Ein gespenstischer Reiter war zurückgeblieben und direkt neben einem furchtsamen Bauern, der sich auf den Boden geworfen hatte, gelandet. Der Geisterreiter befahl dem Mann, ihm zu helfen, sein Rad sei gebrochen. Er sagte, er müsse sich nicht vor ihm fürchten. Der verängstigte Mann holte Staudenzweige vom Wegrand und versuchte mit zittriger Hand den Schaden auszubessern. Ein Haufen Schnitzspäne fiel dabei an.
Als alles vollendet war, sagte der Unheimliche: "Steck die Späne ein!" Der Bauer dachte zwar, daß er solches Zeug genug daheim rumliegen habe, aber schließlich steckte er doch ein paar davon ein. Doch als er heimkam, waren die Späne aus purem Gold. Er lief zu der Stelle zurück, doch nichts mehr war von dem Unfall zu sehen.

Der Hauspöpl auf der Neunerheid

Auf dem Hof der Neunerheid gab es auch einen "Hauspöpl". Diese Geister gab es in vielen Häusern, sie trieben viel Schabernack, aber waren meist gutartig. So auch in der vorliegenden Sage:
Eines Nachts kam eine Krähe mit häßlichem, zerzausten Gefieder über das Hausdach geflogen und wollte zum oberen Stubenfenster hinein. Die Hunde tobten, wovon der Hausherr wachgeworden war. Er sah zu seinem Entsetzen, wie die Krähe fanatisch, aber vergeblich versuchte, in das Fenster einzudringen. Er roch Schwefelgestank. Er erschrak noch mehr, als er gewahr wurde, daß aus ihrem Schnabel eine glühende Zunge heraushing. Plötzlich rief die rauhe Stimme des Pöpels vom Nußbaum im Garten herüber: "Laß sie nicht rein! Es ist der Teufel. Sie kann nicht ins Haus, weil ich auf alle Fenster einen "Teufelsabbiß" gelegt habe. Daran muß er sich alle Krallen verbrennen und deshalb ist er so wütend." Nach vielen vergeblichen Versuchen flog die Krähe in die finstere Nacht davon.

Hexen in der Neunerheid

Ein Neunerhaider holte sich im Kaupersberger Wald nachts Werkholz. Der ledige Bruder half. Da hörten die beiden plötzlich über sich ein Rumpeln und Sausen. Erschrocken duckten sie sich, denn ein feuriger Miesbaum schnarrte über sie weg gegen die Neunerhaid. Und schon schlug eine Feuergarbe aus dem Schlot. Gleich mußte das hellichte Feuer aus dem Dach schlagen.
Die Männer ließen alles liegen und liefen keuchend heim. Als sie schwitzend und atemlos das Gehöft vor sich liegen sahen, lag alles in Schlaf und in Frieden. Auf Befragen sagte die Bäuerin, daß nichts gewesen sei, bloß die Viecher hätten gestampft und die Ketten hätten geklirrt. Sie setzte aber dazu: "Wenn ich nicht geträumt habe". Am nächsten Morgen gaben die Kühe keine Milch, die Euter waren leer. "Das haben bloß die Sapramixhexen getan", war die Erkenntnis. Da nun dies schon öfter vorgekommen war, wußte man jetzt die Ursache.
"Und gegen die Luder hilft halt kein Hund, ja die fürchten sich selber und winseln in der Hütte." Nun ging der Bauer zu einem Mann, der mit diesen Vorkommnissen etwas anfangen konnte. Der wußte auch Rat. Zunächst mußten an der Stalltüre mit der Judaskohle vom Karsamstagsfeuer drei Hexenkreuze (X X X) gemalt werden, auf alle Fenstersimse kamen Stachelbeerdörner und vor die Stalltüre wurden Schaufel und Mistgabel überkreuz gelegt. Die Räucherwürste im Rauchfang mußten durch Wurzbüschelkräuter ersetzt werden. In der Weiwasnacht (Walpurgisnacht) bannt das die Hexen auf ein Jahr vom Haus weg und tut ihnen Schaden. Da nun die Zeit nahe war, befolgte der Neunerhaider den Rat mit Inbrunst und Gründlichkeit. Ein wenig Neugierde schob sich auch dazu. Die Nacht blieb ungestört, nur die scharfen Hunde heulten.
Am nächsten Morgen, als der Bauer die Türe aufsperrte, standen zwei Frauen aus dem Nachbarort - aus welchem, ist nicht bekannt - mit verkratzten Gesichtern, verbrannten Händen und versengten Haaren vor ihm. Heulend gestanden sie, daß ihre Verletzungen von dem Abwehrzauber kämen. Die Haare wären im Schlot versengt und über die kreuzweis gelegten Geräte wären sie gestolpert und hätten sich die Beine verletzt. Nur durch ein offenes Geständnis und das Verzeihen ihrer Untaten seitens des Bauern käme Heilung ihrer Verletzungen, sonst müßten sie ewig gekennzeichnet als "Raafhexen" herumlaufen.

In einer stillen Nacht gingen drei Nankendorfer Burschen von der Breitenlesauer Musik heim. Als sie in der Nähe der Neunerhaid waren, kamen glühende Erbsbüschel durch die Lüfte geflogen. Die Burschen erschraken, denn sie wußten, daß das Hexen waren. Plötzlich erschien ihnen jedoch ein kleines graues Männlein: "Hockt euch schnell zu mir in die Büsche. Die suchen ihren Bräutigam, das ist der Teufel. Wenn sie den nicht finden, setzen sie euch auf ihren Besen und dann reiten sie mit euch zum Hexenberg. Sie haben euch schon "derschmeckt".
Doch das Männlein hielt die Burschen gebannt und die Hexen witterten sie nicht mehr. Nach einiger Zeit brausten sie rückwärts davon. Wie erschraken da die jungen Burschen. Es waren einige Mädchen, mit denen sie noch kurz zuvor in Breitenlesau getanzt hatten.

Weiteres Hexenunwesen

Diese Geschichte ist eigentlich schon von daher erschreckend, welch furchtbare Auswüchse der Hexenaberglauben annehmen konnte: Dem besten Freund wurde mißtraut.
Ein Nankendorfer litt sehr unter dem Hexenunwesen in seinem Stall: die Kühe gaben Blut statt Milch. Deshalb holte er einen Hexenbeschwörer. Der ließ sich nachts in den Stall einsperren und trieb unter unglaublichem Donnergrollen und unverständlichen Rufen die Hexen aus. Am nächsten Morgen war er ganz erschöpft. Er sagte, er wisse, wer die Hexe ist, darf es aber nicht verraten, sonst verliere er seine Macht über sie. Er riet aber dem Bauern, eine Gabel und einen Rechen quer zu legen direkt vor der Stalltür, denn darüber könne eine Hexe nicht steigen. Und wer ihn am nächsten Morgen als erstes besuche, weil er sich so ein Gerät ausleihen wolle, der sei die Hexe, das sei des Teufels Schützling.
Der Bauer tat das Geheißene und legte sich sogleich auf die Lauer. Doch wie erstaunte er am nächsten Morgen, als es sein bester Freund, Nachbar und Kartbruder war!!!
Noch bevor der den Mund auftun konnte, peitschte er ihn halb zu Tode. In seiner Verzweiflung versprach der, seinem Teufelsbündnis abzuschwören. Seitdem war Ruhe im Dorf.

Hexen"säue"

Am Säustein (eine Felsengrotte am rechten Ufer der Wiesent) ist's nicht geheuer, denn darin sind unterirdische Grotten und Löcher, in denen die "Hexenschweine" (daher Säustein) schlafen. In der Weiwasnacht müssen die ihre Hexen zum Blocksberg tragen. Borsten haben diese Schweine wie die Schlehendörner, Kühschwänze für den Hexengriff als Zügel, rollende Glühaugen und schreckliche Wolfszähne. Hört man manchmal ein Hexenschwein schreien, sagen die Leute: "Wenn die Hexensau grunzt wie der Teufel, dann hat sie keine Hexe zum Ritt bekommen." Wehe dem Menschen, der einer solchen Sau über den Weg läuft, der wird zu Tode gehetzt. Dagegen gibt es nur ein Mittel: Man darf nicht vorwärts gehen, sondern man muß mit dem Gesicht dem Unhold zugewandt sich rückwärts heimbewegen. So kann das Schwein nicht näherkommen und muß auf drei Körperlängen Abstand halten. Wer den Schrecken schon erlebte, erklärte, daß eine Hexensau ein furchtbarer Anblick sei -"der Teifl wär schön dageng". Mancher Wanderer sah am Säustein einen kopflosen Hund, der markerschütternd heulte. Dann bekreuzigt man sich und läuft, daß einem die Beine knicken. Dabei kann's passieren, daß einem harte Steinbrocken nachfliegen, die aber nie treffen. Nur einmal wurde ein Betrunkener blutig getroffen. Er schrie nämlich dem ersten fliegenden Stein nach: "Der Teufel soll dich holen!"

Hexen am Dormannsberg

Unterhalb des Dormannsberges, der nach dem Hammergott Thor seinen Namen hat, lag dereinst das Dormannsgut. In dieser Gegend schlich der Höllenfürst persönlich in Gestalt eines riesenhaften schwarzen Hundes mit glühenden Augen herum. Besonders gerne erschreckte er die Leute auf dem Kirchgang. Deshalb bannte ihn ein hoher Geistlicher in eine Berghöhle, im "Linnerer Loch" (östl. Wiesentufer). Noch immer hört man den Unheimlichen dort rumoren, daß manchmal sogar die Felsen wackelten. Am Eisweiher nebenan sieht man dagegen oft schwarze Männlein. Man nimmt an, es seien die Grenzhüter. Gleich daneben ist auch der sogenannte Hexenstein. Ihn umkreisen zu mitternächtlicher Stunde die Teufelsbräute und zeigen ihre Reitkünste.

Das schwarze Hündlein am Eisweiher

Beim Eisweiher lief zur unheimlichen Stunde lange Zeit ein schwarzes Hündlein herum, weshalb die Menschen lieber einen Umweg machten, als dort vorbeizugehen. Eines Tages kam jedoch ein Metzger des Wegs, der keine Angst hatte. Als er das Hündlein sah, schlug er es. Um Mitternacht rief plötzlich eine Stimme: "Hättest du mich gestreichelt, wäre ich erlöst gewesen! Du wärst der Richtige, du wärst mein Retter gewesen."
Es heißt, daß am Eisweiher die armen Seelen ihren Bann- und Strafort hätten: Als Tiere, als feurige Männlein oder aber auch als große, schwarze Männer - je nach Schuldenlast der Seele - müssen sie dort umgehen und auf ihren Erlöser hoffen.

Der gespenstische Eiergaßreiter

Die Eiergasse (eigentlich ein Flurweg) verläuft auf der anderen Seite der Wiesent nach Plankenfels als die Hauptstraße.
In einer stockdunklen Sturmnacht wurde der Priester von Nankendorf nach Plankenfels zu einem "Versehgang" (letzte Ölung) gerufen. Vor ihm ging der Mesner mit einer Sturmlaterne, die der starke Wind allerdings ausgeblasen hatte, und einem Handglöcklein.
In der Eiergasse sprengte plötzlich ein eigenartiger Reiter daher, dessen Panzer in fahlem Licht gleißte. Von dem Hals des Ritters tropfte Blut auf die leuchtende Rüstung. Erschrocken blieben die beiden Männer stehen. Auch der Reiter machte vor ihnen halt, sein Pferd tänzelte vor ihnen. Dann reitete der Ritter vor ihnen her. Seine Rüstung leuchtete heller als der Mond. Das ging so bis zur Schatzlache, dann war der unheimliche Begleiter verschwunden.
Wieder kamen die beiden Männer wegen der Dunkelheit nicht weiter, und der Sterbende wartete auf seine letzte Tröstung. Verzweifelt bimmelte der Mesner mit seinem Glöckchen, ob nicht doch Hilfe herbeikäme. Da kam vom Appenberg ein teuflisches Gebell herunter, und aus der Schatzlache kamen Klagestimmen.
Als sie schon keine Hoffnung mehr hatten, sprengte wieder der Reiter heran und führte sie durch sein Leuchten bis Plankenfels.
Sie kamen gerade noch rechtzeitig zu dem Sterbenden. Auf dem Rückweg war der Sturm abgeflaut und die Laterne brannte und die beiden besprachen den Spuk. Auf einmal erschien ihnen wieder der Reiter und rief: "Heute wurde ich Herr über die Hölle! Nur in Gegenwart des höchsten Herrn ward mir der Sieg!" Auf diese Worte ritt er davon und wurde seitdem nicht mehr gesehen.
Eine andere Sage berichtet, daß ausgerechnet dieser Reiter eine fremde Raub- und Kriegshorte durch seine Erscheinung in die Flucht geschlagen haben soll, als diese heimlich das Dorf überfallen wollten.

Der Spuk um die Schatzlache

Unweit der Straße vom Plankenfelser Berg gegen Nankendorf zur großen Kurve liegt mitten in den Wiesen nahe dem Stauwehr die Schatzlache. Es ist ein langgestreckter Tümpel, der eine unheimliche Tiefe, so tief wie der Nankendorfer Kirchturm hoch ist, haben soll. Die Grundwasser der Wiesent speisen die Lache, ihr Niveau ist stets gleich dem der Wiesent. Einsam träumt das ziemlich nutzlose Wasser mit geringem Fischbestand. Gelbe Iris und Kalmus stehen zur Sommerszeit am Uferrand, und die Kinder sammeln die herausgeschwemmten flachen Schalen der Teichmuscheln. Nachts jedoch ist hier ein unheimlicher Ort. Schon manchen Lebensmüden lockte der Tümpel zum ewigen Schlaf in seiner Tiefe. Waren es Irre oder Verzweifelte - immer suchten Fremde hier Erlösung, nie Einheimische. In der Mettennacht sieht man auf dem Wassergrund ein blaues Licht, um das Wellen in lebenden Ringen kreisen, manchmal eng, manchmal weit. Kommt gerade ein Sonntagskind mit einem Kräutlein vom Wurzbüschel vorbei, so kann es ein süßes, trauriges Singen hören. Läutete dazu gerade die Mettenwandlungsglocke, dann steigt eine Wasserfrau aus dem Wasser mit bittend erhobenen Händen und bettelt um ein Weihzweiglein. Wenn das Menschenkind furchtlos sein Zweiglein reichen will, springt vom Appenberg herunter ein riesengroßer, schwarzer Hund mit gefletschten Zähnen. Sofort versinkt die Wasserfrau klagend in der Tiefe.
Einmal passierte das einer jungen Frau, die von ihren Eltern in der Mettennacht Weihkräuter für das Vieh holte. Nur eine Minute früher - und die Verwunschene wäre erlöst gewesen. Der schwarze Teufeishund hat gerade im hundertsten Jahre keine Macht über die unerlöste Seele. Ein andermal kam ein Nankendorfer Bauer zu Fuß von Bayreuth her, damals gab's ja noch keine Bahn, das Fußweglein von der Eichenmühle entlang an der Schatzlache vorbei. Den Erlös seines Ochsenverkaufs trug er in blanken Gulden in der Hosentasche. Als er die Lache passierte, lag breiter Vollmondschein im Tal. Wie flüssiges Gold brodelte plötzlich das Tümpelwasser, als ein Frauenkopf sich aus der Tiefe hob. Es war zufällig eine Sonnwendnacht. Der Mann stand wie gebannt, denn der Spuk, oder besser der Zauber der Lache, war ihm bekannt.
In flehentlicher Klage sang der Wassergeist: "Wie drückt mich meine Schuld, wie meine Sünd! Erlös' mich und mein ungetauftes Kind!" Nur umgehende Tat konnte helfen, das wußte der Mann, weshalb er sofort hinüberrief: "Einen Gulden geh' ich für heilige Mess', daß Gott eurer Seele nit vergeßt".
Nun erhob sich infernalischer Lärm von allen Seiten. Von den jenseitigen Höhen brüllten tausend Teufelsstimmen, während aus dem goldnen Lachwasser ein unirdischer Jubel sich emporschwang. Als sich endlich der Bauer von seiner Verzauberung losriß, brachen aus dem Buschdickicht zwei wilde Gesellen hervor, die in wilder Flucht davonstürzten. Es waren zwei Räuber, die ihn ermorden und sein Geld stehlen wollten. Seine Guttat hatte dem Manne das Leben gerettet; zudem heißt es von ihm, daß er sein Leben lang nur Glück hatte.

Das verkaufte Kreuz

Ein junger Bauer wanderte aus, nach Amerika, da man dort schnell reich werden konnte. Vorher verkaufte er noch verschiedenen Hausrat. Da kam ihm auch das schöne alte Hofkreuz in die Augen. Mit der Auswanderung hatte es seinen Wert für den Hof und für ihn verloren, dachte er.
Und wirklich, es fand sich ein Käufer für das kunstlose, aber uralte Hofkreuz. Nach langem Handeln kam man überein. 29 Batzen war der Erlös. Über diese unerwartete Einnahme war der junge Mann ganz aus dem Häuschen und prahlte dumm darüber im Wirtshaus: "Ich war billiger mit meinem Herrgott, der Judas bekam 30 Silberlinge. Ich war mit 29 zufrieden." Alle Gäste schwiegen zu dem frevelhaften Gerede.
Als der Mann ausgewandert war, brannte alle Nacht am leeren Kreuzplatz im verlassenen Hof ein blaues Licht, aber nur zur Mitternachtsstunde, an allen Freitagen. Niemand getraute sich zur Stelle, kein Wind konnte es löschen. Eines Tages kam aus Amerika die Nachricht, daß der Bauer drüben "fahrisch", ja nahezu halb verrückt geworden sei. Seine wirren Reden haben immer mit einem verschacherten Hofkreuz zu tun gehabt.
Da sein Bruder inzwischen den Hof übernommen hatte, ließ er als erstes wieder ein großes Hofkreuz am alten Platz errichten und weihen. Zur gleichen Zeit benachrichtigte er seinen Bruder drüben von seiner Tat. Von dort kam bald die Nachricht, daß der Bruder wieder geheilt wäre. Auch das blaue Freitagslicht war verschwunden.



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